Forschung bestätigt überraschende Parallelen zwischen Freuds Theorien und moderner Neurowissenschaft
Forscher legen nahe, dass alte psychoanalytische Konzepte und moderne Neurowissenschaft dieselben mentalen Prozesse lediglich aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben.

Kurzfassung
Warum das wichtig ist
- Forscher legen nahe, dass alte psychoanalytische Konzepte und moderne Neurowissenschaft dieselben mentalen Prozesse lediglich aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben.
- Forscher sehen überraschende Parallelen zwischen den Theorien Sigmund Freuds und der modernen Neurowissenschaft.
- Mehr als ein Jahrhundert nach der Entwicklung der Psychoanalyse deuten einige Wissenschaftler darauf hin, dass die aktuelle Forschung Bereich der Neurowissenschaft zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangt ist.
Die beiden Disziplinen würden dieselben mentalen Prozesse lediglich aus unterschiedlichen Perspektiven beschreiben. Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Entropy" verffentlicht wurde, legt nahe, dass Freuds Ideen sowie sptere psychoanalytische Konzepte wichtige hnlichkeiten mit einem fhrenden neurowissenschaftlichen Modell aufweisen.
Dieses sogenannte Vorhersagungsparadigma beschreibt das Gehirn als ein System, das ständig Vorhersagen darüber generiert, was als Nächstes geschehen wird. Gleichzeitig versucht das Gehirn, die Lücke zwischen diesen Erwartungen und den eintreffenden sensorischen Informationen zu verringern.
Für die Wahrnehmung, das Verhalten und die Regulation Prozess als essenziell.
Technik und Auswirkungen
Erik Stänicke, Bendik Hovet und Line Indrevoll Stänicke vom Institut für Psychologie sowie ihre Kollegen argumentieren, dass die Beschreibungen des inneren psychischen Lebens durch die Psychoanalyse Laufe eines Jahrhunderts stark den neuropsychologischen Modellen ähneln. „Seit über 130 Jahren hat die Psychoanalyse psychologische Theorien zur Entwicklung entwickelt, die die kognitive Neuropsychologie nun auf physiologischer Ebene untersucht", so die Forscher.
Unterschiedliche Blickwinkel auf ähnliche Prozesse Laut den Wissenschaftlern untersuchen sowohl die Psychoanalyse als auch die Neurowissenschaft viele derselben zugrundeliegenden Prozesse, jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven.
Während die Neurowissenschaft sich auf mathematische und biologische Erklärungen der Gehirnaktivität konzentriert, erforscht die Psychoanalyse, wie diese Erfahrungen innerlich empfunden und verstanden werden.

Technik und Auswirkungen
Das Team verweist dabei auf das psychoanalytische Konzept der Projektion als enge Parallele zum Vorhersageverarbeitungsmodell in den Neurowissenschaften. „Wenn wir Eigenschaften, Absichten oder Gefühle anderen Menschen zuschreiben, formt unser Gehirn unsere Erfahrung der Welt gemäß festgefügter Erwartungen", erklärt Stänicke.
Er erläutert weiter, dass frühere Erfahrungen mit anderen Menschen allmählich beeinflussen, wie wir neue Beziehungen und Situationen angehen.
Dies entspreche der neurowissenschaftlichen Unterscheidung zwischen der Anpassung eigener Vorhersagen, der sogenannten perceptual inference, und dem Versuch, die Welt diesen Vorhersagen anzupassen, also der aktiven Inferenz.
Was die Studie zeigt
Psychische Stabilität und Homöostase Die Forscher betonen zudem, dass sowohl die Psychoanalyse als auch die Neurowissenschaften den Geist als bestrebt nach Stabilität und Vorhersagbarkeit beschreiben. Dieser Zustand wird auch als Homöostase oder psychisches Gleichgewicht bezeichnet.
Rahmen des Vorhersagemodells reduziert das Gehirn die Unsicherheit, indem es sich auf festgefügter Erwartungen stützt, um die Welt verständlicher und vorhersehbarer erscheinen zu lassen.
Psychoanalytiker bezeichnen die Tendenz des Geistes, vertraute Beziehungsmuster wiederherzustellen, selbst wenn diese schlecht angepasst sind, als Bestreben nach dieser Stabilität. Stänicke geht davon aus, dass die Überschneidung zwischen diesen beiden Bereichen wertvolle Einblicke in psychische Störungen bieten kann.

Technik und Auswirkungen
Starre und anhaltende Symptome wie paranoide Gedanken oder eine internalisierte kritische Stimme können zwar stabil sein, stellen jedoch nicht sehr flexible Vorhersagemodelle dar. Zum Beispiel gibt Menschen, die automatisch Kritik, Ablehnung oder Feindseligkeit daher durch diesen Filter interpretieren, obwohl die Realität dies nicht rechtfertigt.
Laut Stänicke bleiben diese psychischen Muster bestehen, weil sie Unsicherheit reduzieren, auch wenn sie die Realität verzerren. Sowohl die Psychoanalyse als auch die prädiktive Neurowissenschaft können daher dazu beitragen zu erklären, warum psychische Gesundheitszustände oft schwer zu verändern sind.
Relationales Gedächtnis und therapeutische Implikationen Zusätzlich bieten beide Modelle Einblicke darin, wie Teile unserer Erwartungen an die Außenwelt nicht nur kognitiv verankert sind, sondern auch im prozeduralen Gedächtnis, das sich in relationalen Formen des Seins ausdrückt.
Technischer Hintergrund
Stänicke erläutert, dass Erfahrungen und Erwartungen nicht nur als bewusste Gedanken gespeichert werden, sondern auch durch gewohnheitsmäßige Reaktions- und Interaktionsweisen mit anderen. Daher muss Psychotherapie manchmal relationell arbeiten.
Neue Erfahrungen in der Beziehung zwischen Therapeut und Patient können beispielsweise schrittweise dazu beitragen, verfestigte relationale Muster zu verändern.
Die Forscher schlagen vor, dass die prädiktive Neurowissenschaft eine neurologische Grundlage für die Psychoanalyse liefern könnte, während die psychoanalytische Theorie der Neurowissenschaft ein detaillierteres Verständnis dafür bieten könnte, wie Vorhersagen erlebt, interpretiert und Beziehungen ausgedrückt werden.
Was die Studie zeigt
Die Vereinigung dieser beiden Disziplinen kann eine ganzheitlichere Psychologie ermöglichen, in der sowohl neurologische Mechanismen als auch die subjektive Erfahrung einbezogen werden. Auf diese Weise lässt sich Subjektivität auf eine wissenschaftlichere Weise verstehen, so die Schlussfolgerung der Autoren.
Quelle: „Freuds Modell des Geistes innerhalb eines Paradigmas der prädiktiven Verarbeitung" änicke, Bendik Sparre Hovet und Line Indrevoll Stänicke, 11. März 2026, Entropy. DOI: 10.3390/e28030318
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Originalquelle: SciTechDaily
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- SciTechDaily
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- Scientists Discover Surprising Similarities Between Freud’s Ideas and Modern Neuroscience
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